Bertha’s – Manufaktur für glutenfreie Pâtisserien

Verifiziert von Rolf Klöckner
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Bahnhofstraße 25, 66280 Sulzbach/Saar, Deutschland
25 Bahnhofstraße Sulzbach/Saar Saarland 66280 DE

Unbeschwerter Genuss

„Bertha’s – Manufaktur für glutenfreie Pâtisserien” in Sulzbach bietet tolle Knabbereien, die sich als perfekte Begleiter zu einem guten Wein eignen. Aber auch alle Freunde des süßen Gebäcks kommen hier auf ihre Kosten. Und das Beste: Alles ist glutenfrei.

Vor Kurzem habe ich an dieser Stelle die „Vinerie” vorgestellt. Zu den tollen Weinen, die wir goutieren durften, gab es auch etwas zu knabbern. Zum Wein eigentlich nichts Ungewöhnliches, die Knabbereien selbst allerdings waren ungewöhnlich, ja außergewöhnlich. Denn das gereichte Gebäck war der genaue Gegenentwurf zu normierter Langeweile. Ich war sofort fasziniert davon und wollte mehr darüber erfahren.

Deshalb mache ich mich auf nach Sulzbach, genauer gesagt zu „Bertha’s – Manufaktur für glutenfreie Pâtisserien”. Snjezana Häusler, die Frau hinter den leckeren Knabbereien, erzählt mir, dass auch sie hin und wieder gern Wein trinke und dazu gern etwas knabbere. Schnell stellte sie aber fest: „Was kriegt man meist zum Wein? Salzstangen und Erdnüsse. Da machte ich mir mal Gedanken”, erzählt sie, wie sie auf die Idee kam, ihre Olivenöl-Kräcker als Alternative zu machen.

Olivenöl-Kräcker mit Kräutern bestreut

Die Olivenöl-Kräcker sind hauchdünn, nur 0,5 Millimeter. Sie werden alle einzeln gerollt, mit Olivenöl bestrichen und schließlich mit Kräutern bestreut und gebacken. Nicht etwa frittiert, nein. Zudem sind die Kräcker vegan. Für alle, die gern Wein trinken, hat sie aber noch mehr im Angebot. Etwa Parmesan-Taler, und ich muss sagen, die schmeckten mir richtig gut zum Wein. „Wenn ich diese Taler auftische, fällt die Vorspeise oder das Amuse-Gueule aus”, erzählt sie. Ich probiere mich derweil weiter durch ihr Sortiment. Etwa durch ihre Walnusstaler –
aufwendig und ebenfalls in liebevoller Handarbeit hergestellt. Danach ein paar Pistazien-Taler – auch so etwas Besonderes. Die Pistazien mahlt Snjezana Häusler und verarbeitet sie anschließend zu einer Paste. Himmlisch! Alle ihre Kreationen sind übrigens glutenfrei und frei von irgendwelchen Zusatzstoffen.

Vor 30 Jahren kam Snjezana Häusler aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Deutschland. In Saarbrücken im „Café Becker” lernte sie das Handwerk einer Konditorin und übt den Beruf inzwischen seit mehr als 20 Jahren aus – und bildet auch aus. Zudem betrieb sie neun Jahre lang gemeinsam mit ihrem Ehemann das „Gasthaus Bolay” am St. Johanner Markt in Saarbrücken. Als ihr Mann nach sechs Jahren überraschend verstarb, machte sie zunächst noch drei Jahre alleine weiter. Dann entschloss sie sich zu einer zweijährigen Weiterbildung in einer sehr guten Patisserie in Luxemburg.

Mit diesem neuen Wissen reifte in ihr die Idee für ein neues Projekt, und sie ging „Bertha’s – Manufaktur für glutenfreie Pâtisserien” an. Mehr als 600 eigene Rezepte hat sie mittlerweile entwickelt. Dazu gehören süße wie auch salzige Gebäcke. Seit etwa zwölf Jahren beschäftigt sie sich auch mit glutenfreien Produkten. Weniger als ein Prozent der Menschen in unserem Land leiden an der sogenannten Zöliakie. Diese Erkrankung führt dazu, dass Betroffene nicht normal essen können und ihre Ernährung umstellen müssen. Gerade schmerzhafte und chronische Krankheiten wie die Zöliakie oder eine Allergie gegen Gluten können die Lebensqualität über einen langen Zeitraum stark beeinträchtigen. In der Regel gibt es allerdings Licht am Ende des Tunnels, sobald eine konkrete Diagnose vorliegt und der Betroffene weiß, wie er seinem gesundheitlichen Schicksal zu begegnen hat. Glücklich sein trotz Krankheit oder Behinderung ist für die allermeisten Menschen möglich. Die Zauberwörter heißen Anpassung und Gewöhnung. Und durch entsprechende Produkte müssen diese Menschen auf Genuss nicht verzichten.

„Ich liebe dieses kleine Saarland”

Snjezana Häusler betont, dass glutenfreie Produkte für jeden geeignet sind: „Sie sind grundsätzlich bekömmlicher und besser verträglich.” Allerdings musste sie anfangs feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, entsprechende Produkte zu backen. Viele Bleche voller neuer Ideen landeten letztlich in der Tonne. Das Backen mit glutenfreien Produkten lässt sich nicht mit herkömmlichem Backen vergleichen. Die Konditorin verwendet zum Backen Reismehl, Maismehl, Mandelmehl und Buchweizenmehl, und diese haben ganz andere Klebefähigkeiten als die gewohnten Weizenmehle: Sie binden nicht so gut. Doch mit der Zeit lernte Häusler, wie man Stärke richtig einsetzt. „Das ging nur durch Experimentieren”, betont sie. „Und ich stellte fest, dass das unglaublich gut schmeckt!” Mittlerweile gibt es nichts mehr, das sie nicht glutenfrei backen könnte. Auch Hochzeitstorten, Torten und Kuchen. Jeden Samstagmorgen steht sie im Geschäft, und die Kunden kommen vorbei, um die Kunstwerke abzuholen. Kleiner Tipp meinerseits: Vorbestellen ist gut, denn ihre Produkte sind in der Regel immer schnell ausverkauft.

Man bekommt ihre Produkte aber auch an einigen ausgewählten Adressen im Geschäft – etwa bei „Saar-Lor-deLuxe”, „Vinerie”, „Feinkost Diesinger”, „Pablo, Kunst und Wein” (alle in Saarbrücken), „Ölmanufaktur Zimmer” in Oberthal, „Konditorei Martins” in Heusweiler und „Winzer Ollinger-Gelz” in Perl-Sehndorf.

Auch wenn Snjezana Häusler aus einem herrlichen Land an der Adria stammt, fühlt sie sich im Saarland richtig wohl. „Ich bin froh und dankbar hier im Saarland zu sein. Ich liebe dieses kleine Land und möchte nirgendwo anders in Deutschland leben”, schwärmt sie. Sie verdanke dem Saarland so viel und wolle mit ihren Kreationen auch etwas zurückgeben. Deshalb werden „Bertha’s” besondere Kreationen ausschließlich im Saarland zubereitet.

Wie aber kam sie eigentlich zum Namen „Bertha”? „So hieß die Großmutter meines verstorbenen Mannes”, erzählt sie. Und dass sie durch die Wahl dieses Namens sowohl das Andenken an die Oma wie auch an ihren Mann ehren wolle. Es sei eine Hommage an ihn. Von Oma Bertha hat sie einige Rezepte geerbt, wie sie erzählt. Diese hat sie ein wenig umgeschrieben und an die heutige Zeit angepasst. Häusler ergänzt: „Das ist deutsches Handwerk. Der Name Bertha ist Tradition und Moderne zusammen. Alte Rezepte mit modernen, glutenfreien Zusätzen. Eine Verbindung zwischen Altem und Neuen. Zukunft und Vergangenheit miteinander verschmelzen zu lassen – das war mein Ziel.” Natürlich hat sie die alten Rezepte um etwa 30 Prozent Zucker reduziert. Und ein halbes Pfund Butter in einem Rezept gibt es bei Snjezana Häusler auch nicht. Doch mit etwas weniger Zucker und Butter schmeckt es auch himmlisch!

Der Teig muss 24 Stunden ruhen

In der süßen Abteilung gibt es etwa die Mokka-Berthas. Diese sind mit Kaffee, Mandeln und Marzipan gemacht, und es dauert drei Tage, bis sie fertig sind. Der Teig muss, ähnlich wie ein Sauerteig, 24 Stunden ruhen. Am Ende werden alle Berthas mit hauchdünner Zuckerglasur überzogen. Rum-Karamell-Berthas sind die nächsten, die ich probiere. Das Karamell wird natürlich selbst gemacht und dann mit Rum abgeschmeckt. Dazu kommen noch Mandeln, Eiweiß und Marzipan.

Weiter geht es mit den Amarena-Kirsch-Berthas – Amarenas innen wie außen. Anschließend goutiere ich die Orangen-Berthas. Sehr schmackhaft. Durch die abgeriebene Schale kommen die ganzen Aromen zur Geltung. Und auch Orangenlikör ist drin. Danach folgen die Himbeer-Berthas mit getrockneten Himbeeren und Himbeerpaste. Dann meine geliebten Pistazien und die Eierlikör-Berthas – Eierlikör-Fan Udo Lindenberg würde jubeln. Dann noch die Berthas für den Sommer: Zitrone und Orange. Ich kann einfach nicht aufhören zu naschen. Ein besonderes Kunstwerk folgt auf das nächste: Honig-Orangenblüten-Amaretti mit vielen Mandeln und Honig; Linzer Kringel mit gerösteten Mandeln. Die Mandeln röstet Snjezana Häusler im Ganzen, dann erst werden sie gemahlen. Dadurch entwickeln sich die Aromen erst richtig. Dazu Zimt und Johannisbeer-Gelee. Mandel-Hippen mit gerösteter brauner Butter. „Es muss riechen wie auf dem Weihnachtsmarkt”, sagt sie.

Qualität und Geschmack der Produkte haben mich wirklich schwer beeindruckt. Wer diese besonderen Kunstwerke nicht testet ist selber schuld! Ich jedenfalls habe mir noch einiges für zu Hause mitgenommen.

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