Gästehaus Klaus Erfort

Verifiziert von Rolf Klöckner
Gästehaus Klaus Erfort
Mainzer Straße 95, 66121, Saarbrücken, Deutschland
95 Mainzer Straße Saarbrücken Saarland 66121 DE

Ein Koch mit solch einer Reputation wie Klaus Erfort strahlt in die ganze Welt. Wenn man irgendwo, nicht nur in Deutschland, mit Feinschmeckern an einem Tisch sitzt, fragen sie nach zwei Dingen, wenn sie das Wort Saar hören. Zum einen nach Saarriesling, aber auch ganz schnell nach der großen und ganz exquisiten Küche der hiesigen Sternegastronomie. Nichts anderes höre ich auch im Ausland! Da sind wir bei einem Gespräch auch sehr schnell bei Klaus Erfort.

Oder, wenn Gäste das Saarland besuchen. Sie wissen genau, welch hohen Anspruch die besten Küchenmeister hier haben. Etwa mein Freund Claus Schlemmer. Sein Name ist Programm. Er stammt vom Rhein und kommt mittlerweile gerne an die Saar. Ich besuchte mit ihm auch das Gästehaus. Er war geplättet. Die Begeisterung stand in seinen Augen. Er musste sich erst einmal sammeln, bevor er mir genau berichten konnte, warum dieser Besuch ihn umhaute. Er schrieb: „Die Küche lässt dem Produkt den Ruhm! So stelle ich mir das vor. Ohne Gedöns. Außerordentliche Produkte außerordentlich schlicht und genial zubereitet. Klöckner wollte Taube. Er bekommt Taube. Punktlandung. Besser geht nicht. Niemalsnicht! Ich war nie der Dessert-Typ! Dessert als Höhepunkt eines Menüs? Vergiss es. Das hier rückt alles gerade. Es kommen zwei Desserts, wie ich sie nie genossen habe.“

Kürzlich traf ich ihn wieder. Er erzählte mir, seit diesem Besuch sei er noch mehrere Male in Saarbrücken gewesen. Nur einen Abend, deshalb habe er sich nicht gemeldet. Immer im GästeHaus.

Sterne strahlen. Drei Sterne leuchten. Und durchdringen den Nebel der Mittelmäßigkeit mit einer unwiderstehlichen Magie. Bei einem Stern bist Du eine große Nummer in der Region, bei zwei Sternen in deinem Land, aber bei drei Sternen weltweit! Die etwas mehr als 120 Köche, die auf diesem Planeten diese höchste Auszeichnung in ihrem Beruf erreicht haben, machen viele Feinschmecker sprachlos.

Mitten im Saarbrücker Zentrum liegt das Haus welches vielen Menschen für immer in Erinnerung bleiben wird. In einer eleganten Gründerzeitvilla mit weitläufigem gepflegten Park. Einem wunderschönen Park, der auch ein Gefühl der Entspannung aufkommen lässt. Das Haus selber ist eher zurück genommen eingerichtet als überladen. Die klaren Linien der Menüs spiegeln sich auch in der Einrichtung und im Design des Restaurants wider: Das Restaurant ist schlicht in cremeweiß gehalten, große runde Tische sind im gleichen Ton eingedeckt. Durch die hohen Fenster scheint viel Sonne und man sieht in den weitläufigen Park, der zum GästeHaus Klaus Erfort gehört und im klaren englischen Stil angelegt ist. Das Restaurant hat sich seit Jahren behutsam verändert, wie die Kunden, die immer jünger wurden. Heute gibt es sogar einen Hochtisch, an dem es sich sehr leger, in großer Runde, speisen lässt. Im Sommer können Gäste das Menü auch auf der großzügigen Terrasse im Freien mit Blick ins weite Grün genießen, eher eine Ausnahme in der Drei-Sternelandschaft.

Der Chef selber mag es sehr leger. Die Atmosphäre in einem der besten Restaurants Deutschlands stellt man sich anders vor: eher formell und steif als so entspannt und heiter wie im GästeHaus von Klaus Erfort. Die Zeiten, als ein Besuch in einem Gourmettempel in Kleidung und leisem Gespräch an eine Beerdigungsprozession erinnern, gibt es nicht mehr. Wobei die Sternegastronomie noch nie, so meine Beobachtungen in den letzten 40 Jahren, dies von ihren Gästen einforderte. Nur der Zeitgeist war ein anderer. Heutzutage kommen die Gäste auch viel spontaner als früher. Und wollen einfach einige unvergessliche Stunden verbringen.

Klaus Erforts Kochstil ist eine Verbeugung vor dem Produkt. Zeitgemäß, jedoch tief verwurzelt in der Tradition. Er hat immer auf dem Schirm, wie die Kochkunst die selbige so berühmt gemacht hat. Wenn andere gute Produkte kaufen, kauft er die Besten. Denn, der Satz, der zu seinem Markenzeichen wurde, lautet: die Wahrheit liegt auf dem Teller!

Dafür muss man außergewöhnlich gut kochen können und sich auf das Wesentliche konzentrieren. Leidenschaft ist sein Antrieb. Kochen ist seine Berufung. Perfektion und Kreativität sind seine Handschrift. Er hat es in den letzten Jahren geschafft, dass einige Gerichte von ihm Klassiker wurden. Etwa die legendäre Taube oder die Königslangoustine. So, wie bei Paul Bocuse, Joel Robouchon oder Marc Haeberlin.

Er kocht eine zukunftsweisende und inspirierende Küche. Klaus Erfort ordnet sein eigenes Ego dem Produkt unter. Und das schmeckt man! Dies hat auch seine Küchenmannschaft verinnerlicht. Vom ersten Teller bis zum Feuerwerk mit den unvorstellbar genialen Desserts. Für diese Desserts wurde sein Mitarbeiter, der Nalbacher Matthias Spurk, vom Gault & Millau 2017 als „Patissier des Jahres“ ausgezeichnet. Zu Recht.

In seinen modernen Gerichten vereint er unterschiedliche Aromen und Texturen zu perfekt ausbalancierten Kreationen. Und kreiert Kompositionen, die nicht nur überraschen. Manchmal machen sie auch sprachlos. Klaus Erforts Kreationen sind modern, aber nicht exzentrisch. Hier werden Gerichte serviert, die aber nicht zum stillen Bewundern gemacht sind, sondern zum neugierigen Entdecken und genussvollen Erleben. Hemingway schrieb Paris, ein Fest! Daran denke ich immer, wenn ich bei Klaus Erfort esse. Und, solche Kreationen will der Feinschmecker goutieren! Schon der Beginn lässt keine Wünsche offen. Etwa als Gruß aus der Küche: Flammkuchen mit Blutwurst, Rote Beete Macaron mit Gänseleber und Yuzu-Gel, Rote Beete Sphäre auf geröstetem Graubrotchip mit Imperial-Kaviar, Gillardeau-Auster mit Meerwasserschaum und Chilivinaigrette, Rindertatar im Cornetto mit Avocadocreme und Wasabi-Crème-Fraîche. Ein Feuerwerk zu Beginn. Am gesamten Tisch herrscht eine freudige Ungläubigkeit. Dann gibt es Königskrabbe. Variation der Königskrabbe mit Sellerie und Limonen-Vinaigrette. Dieses Gericht wird zur Sinfonie, denn die einzelnen Komponenten verschmelzen zu einem ganz großen Geschmackserlebnis. Danach wird es klassisch. Gänseleber im Noriblatt pochiert mit karamellisierter Reiscreme, Koriander und weißem Rettich.

Pascal Morsch empfiehlt den Chardonnay von Ohlinger und Seeger. Passt ganz hervorragend!

Danach gibt es Fisch. Steinbutt auf gegrilltem jungem Lauch mit Frühlings-Morcheln sowie Morchel-Sud. Der Steinbutt ist besser als tadellos. Doch die Morcheln sind das Sahnehäubchen. Ein ganz außergewöhnlicher Fischgang. Ein Flug zu den Sternen.

Als Hauptgang haben wir Taube bestellt. Duett der MiéralTaube mit Spitzkohl, Sellerie-Mousseline & Pioppini-Pilze. Zarter ging die Taube nicht. Der Geschmack war einmalig. Das Erlebnis herausfordernd. Das Dessert hat mein Kollege ja schon beschrieben. Dem ist nichts hinzuzufügen!

Die Zutaten ließen den Gaumen jubeln, da wurde gezaubert! Die Kreationen sind immer überraschend. Ebenso die Zutaten. Die Saucen von Meisterhand. Da fehlt es auch nie anSäure, nicht an Süße, da schmeckt nichts schlaff. Der Gaumen jubelt, der Kopf wundert sich.

„Das Wichtigste beim Kochen ist es, nicht an den Zutaten zu sparen. Ich koche mit Respekt vor dem Produkt und verarbeite es deshalb möglichst komplett und schonend“, so Klaus Erfort.

Da war sehr viel Genialität dabei. Da fragt man sich, wie man so zaubern lernen kann.

Für den Saarbrücker Handwerker, der sich überhaupt nicht als Star sieht, noch nicht mal als Kunsthandwerker, gehört seine Arbeit zum normalsten der Welt. Seine Lockerheit scheint dabei seine Energiequelle zu sein.

Dabei geht er seinen Weg. Seinen Weg! Ohne von diesem Weg abzukommen. Er macht sein außergewöhnliches Ding, pfeift auf Moden und Zeitgeist. Wenn plötzlich alle auf ihren Speisekarten ein Gericht Ceviche vom Fisch nennen, kocht er seine Klassiker, für die Leute aus der ganzen Welt kommen. 2007 erhielt Klaus Erfort seinen dritten Stern und hatte ihn auch nie verloren, wurde vom Gault Millau 2008 zum Koch des Jahres und vom Feinschmecker zum Koch des Jahres 2009 gewählt. Seit 2011 ist er mit 19,5 Punkten im Gault & Millau ausgezeichnet.

In Deutschland seit 2016 ganz vorne. Bei den zehn deutschen Drei-Sterne-Köche nicht gerade so dabei, sondern Spitze. Das hat ihn nie verrückt gemacht. Er glaubt, er habe mehr Fingerspitzengefühl als andere, aber das habe ihm der liebe Gott halt mitgegeben.

Seit Juni 2017 sind Christian Amann und Pascal Morsch die Sommeliers des Hauses. Beide kennen das Haus aus dem ff und werden Ihnen bei Ihrem Besuch die richtigen Kreszenzen auswählen. Oder Sie, bei Ihrer Entscheidungsfindung, sehr kompetent beraten! Ich freue mich immer wieder, wenn sie mir einen mir unbekannten Tropfen empfehlen.

Übrigens, Personal. Als der Michelin 2019 drei neue Sternerestaurants im Saarland kürte, hatten die drei Küchenmeister alle eins gemeinsam: sie waren alle Schüler von Klaus Erfort! Doch, zurück in die Mainzerstraße. All die Menschen, die bisher etwas Scheu vor dem großen Restaurant haben, sollten sich auf ein kleines Menu einmal einlassen. Es ist eine weite Anreise wert und wird mittags angeboten. Und kostet weit weniger, als ein Gourmetmenu. Dabei erleben Sie jedoch nicht nur die ungemein hohe Qualität des Hauses. Sie können auch die Vielfalt goutieren, die die Küche von Klaus Erfort bietet.

Gästehaus Klaus Erfort 7 Jahren.
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