Kai Mehler hat sich mit seiner Kochschule „Kochkultour“ in Reinheim in den vergangenen zwei Jahrzehnten einen Namen gemacht. Er bringt Menschen gemeinschaftlich wieder an den Herd und zeigt ihnen, dass aus ein paar guten Zutaten etwas Wunderbares entstehen kann.

Seit fast 20 Jahren kenne ich Kai Mehler und seine Kochschule „Kochkultour“. Kennengelernt haben wir uns damals, weil mich die Frage sehr beschäftigte, was ich auf dem Grill machen kann, wenn es mal nicht Fleisch oder Fisch sein soll. Und bei Kai lernte ich auch, wie man Vor- und Nachspeisen auf dem Grill zubereitet. Es ist an der Zeit, mal wieder nach Reinheim zu fahren und ihn bei einem seiner Kochkurse zu besuchen.
Manchmal beginnt eine kulinarische Erfolgsgeschichte nicht mit einem großen Restaurant, sondern mit einer einfachen Idee: Menschen zusammenbringen, gemeinsam kochen und anschließend miteinander genießen. Bei Kai Mehler heißt diese Idee „Kochkultour“. Und wer heute in der Rebenstraße in Reinheim die Koch- und Patisserieschule betritt, merkt schnell: Hier geht es um weit mehr als um Rezepte. Kai Mehler ist Küchenmeister und staatlich geprüfter Gastronom. Seine Ausbildung führte ihn unter anderem an die Hotelfachschule Saarbrücken, die er von 2001 bis 2003 besuchte. Schon früh entwickelte sich bei ihm die Lust, professionelles Küchenwissen nicht nur hinter dem Herd einzusetzen, sondern es anderen Menschen weiterzugeben. Er erinnert sich: „Vor 22 Jahren kam ich aus Bermuda zurück nach Berlin und lernte meine Frau kennen. Dort hatte ich auch meine ersten Jobs in Kochschulen, inklusive eines Jobs als Privatkoch. Wir entschlossen uns sehr bald, ins Saarland zu gehen, um eine eigene Kochschule zu eröffnen.“
Angefangen hat er mit zwei, drei Kochkursen im Monat, doch die Nachfrage war so groß, dass er immer mehr anbot. Mittlerweile macht er in Reinheim drei bis vier Kurse in der Woche, manchmal auch fünf und mehr. Daraus entstand „Kochkultour“ – eine Kochschule, die sich über die Jahre einen Namen im Saarland gemacht hat. Bereits Ende der 2000er-Jahre war das Konzept etabliert.

2009 berichtete die Saarbrücker Zeitung erstmals über Mehlers Kochschule und eine Auszeichnung meines damaligen Gastroführers Regioguide 2010. Ich erinnere mich noch gut an diese Zeit. Als Herausgeber und Restaurantkritiker des Regioguide hatte ich Kai Mehler und seine Kochkurse kennengelernt und war vor allem von der Idee beeindruckt, Kochen zu einem besonderen Erlebnis zu machen. Meine damalige Einschätzung war: Ein Kochkurs bei ihm kann das Leben bereichern. Denn Kochen bedeutet schließlich nicht nur, Zutaten in einen Topf zu werfen. Kochen bedeutet reisen, entdecken, Erinnerungen wachrufen und Menschen kennenlernen. Und genau das steckt bis heute im Namen Kochkultour.
Spaß und Freude am Kochen vermitteln
Aber zurück ins Jetzt und Heute. Ich komme mit einer jungen Frau aus Landau ins Gespräch, die sich als Leonie Wittig vorstellt. „Ich habe vor einigen Jahren noch als studentische Hilfskraft bei Kai gearbeitet, doch irgendwann bin ich nach Landau gezogen. Über die Einladung zum Jubiläumskochkurs habe ich mich sehr gefreut. Ich koche sehr gerne und habe hier viel gelernt.“

Kai Mehler will seine Teilnehmer, in der Regel Hobbyköche, nicht zu Sterneköchen fortbilden, sondern er möchte ihnen die Freude am Kochen vermitteln. Sie dazu animieren, etwas auszuprobieren und sich an Dinge heranzutrauen, die sie vorher vielleicht noch nicht gemacht haben. Ein Hühnchen ausbeinen etwa. Ihm ist wichtig, zu vermitteln, wie etwas funktioniert und warum.
Wie wird eine Soße richtig aufgebaut? Was macht eine gute Brühe aus? Wie behandelt man Fleisch, Fisch oder Gemüse? Welche Gewürze passen zusammen? Und warum schmeckt ein Gericht manchmal plötzlich ganz anders, wenn nur eine kleine Zutat verändert wird? Solche Fragen gehören zum Alltag der Kochschule.

Dabei ist das Programm erstaunlich vielfältig. Mal geht es um klassische Küche, mal um internationale Gerichte, mal um Patisserie. Saisonale Produkte spielen eine wichtige Rolle. Es gibt Kurse zu Wild, Spargel und Erdbeeren, zu französischen Schmorgerichten oder dem Haltbarmachen nach Großmutters Art. Selbst Fonds, Suppen und Soßen bekommen ihren eigenen Kurs. Das Entscheidende aber ist: Die Gäste kochen selbst. Schnippeln, braten, rühren, abschmecken – und manchmal auch feststellen, dass in der Küche nicht alles so funktioniert, wie man es sich vorgestellt hat.
Alle machen mit und lernen dabei
Genau darin liegt ein Teil des Reizes. Die offiziellen Angebote richten sich deshalb ausdrücklich an Firmen, Kunden, Mitarbeiter, Freunde und private Gruppen. Gemeinsam entsteht ein Vier- oder Fünf-Gänge-Menü, das anschließend natürlich auch gemeinsam gegessen wird. Rezepte gibt es zum Mitnehmen – damit das Erlebnis nicht an der Haustür der Kochschule endet.
Dass dieses Konzept funktioniert, zeigen viele Beispiele. Im Laufe dieses Jahres war etwa der Ambulante Hospizdienst Saarbrücken mit seinem Team bei „Kochkultour“ im Bliesgau. Unter Mehlers Anleitung entstand ein Vier-Gänge-Menü – weitgehend ohne moderne Küchenmaschinen. Geschält, geschnitten, gerührt und abgeschmeckt wurde gemeinsam. Aus einem Teamtag wurde ein gemeinsames kulinarisches Erlebnis.

Der Bliesgau ist für ihn kulinarische Heimat. „Kochkultour“ sitzt in Reinheim, mitten im Bliesgau. Die Adresse in der Rebenstraße liegt nur wenige Gehminuten vom Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim entfernt. Damit passt der Standort perfekt zu Mehlers Philosophie. Denn die Kochschule setzt gerne auf regionale Produkte und saisonale Themen. Beim aktuellen Wildkurs etwa stehen Bliesgauwild, saisonales Gemüse und regionale Küche im Mittelpunkt.
Auf dem Programm stehen unter anderem Wildfrikadellen, eine legierte Wildsuppe, Rehrücken und ein Dessert. Gekocht wird bei meinem Besuch natürlich auch. Die engagierten Schülerinnen und Schüler zaubern nach Anleitung ein komplettes Menü: meine Lieblingsbrote mit herzhaften Brotaufstrichen, Crottin de Chavignol im Filoteig mit Feigenconfit und Linsensalat, Flammkuchen mit Pesto und schwarzen Walnüssen, geschmortes Cidre-Perlhuhn mit Ratatouille, glacierten Apfelspalten und Kartoffeln sowie Pastéis de nata mit Walnuss-Eis. Pastéis de Nata sind portugiesische Blätterteigtörtchen mit einer cremigen Puddingfüllung.
Alle sind mit Begeisterung dabei und geben wirklich alles, um dieses tolle Menü auf den Tisch zu bringen. Für die Vorspeise etwa wird natürlich auch das Brot selbst gebacken und auch die Brotaufstriche werden selbst gerührt. Alles handgemacht.

Gemeinschaftliches Erlebnis verbindet
Vielleicht ist das der eigentliche Erfolg von Kai Mehler: Er hat verstanden, dass Menschen nicht nur essen wollen. Sie wollen wissen, was sie essen. Sie wollen selbst Hand anlegen. Sie wollen einen Abend erleben, über den man anschließend noch spricht. Und natürlich darf dabei auch viel gelacht werden. Denn Kochen ist bei „Kochkultour“ keine Prüfung, sondern ein gemeinschaftliches Erlebnis. Der Profi steht daneben, gibt Tipps, korrigiert, erklärt – und lässt seine Gäste trotzdem machen.
Auf diese Art und Weise ist aus der Kochschule im Laufe der Jahre eine echte kulinarische Institution geworden. Die offizielle Bezeichnung lautet heute „Koch- und Patisserieschule Kochkultour“. Das Angebot reicht von normalen Kochkursen über Gourmet- und Patisseriekurse bis zu individuell geplanten Firmen- und Gruppenevents. Und Kai Mehler ist dabei geblieben, was er von Anfang an sein wollte: Koch, Gastgeber und Lehrer.
Wahrscheinlich liegt gerade darin die besondere Geschichte von Kochkultour. Es geht nicht darum, den Menschen das Kochen abzunehmen. Ganz im Gegenteil. Kai Mehler bringt Menschen wieder an den Herd. Er zeigt ihnen, dass aus ein paar guten Zutaten, etwas handwerklichem Können und einer Portion Neugier etwas Wunderbares entstehen kann. Und wenn am Ende 20 Menschen an einem Tisch sitzen, ihr selbst gekochtes Menü genießen und über den gemeinsamen Abend reden, dann hat „Kochkultour“ genau das erreicht, was der Name verspricht: eine kleine kulinarische Reise – mit Messer, Kochlöffel und viel Genuss.

