Das „Rosenhotel Scherer“ in Schiffweiler hat sich auf Wild-Gerichte spezialisiert. Doch auf der Karte finden sich noch viele andere regionale Spezialitäten. Das Thema der Rose wird in dem Hotel und Restaurant auf vielerlei Arten aufgegriffen.
Der Herbst ist angebrochen und alle reden plötzlich von Wild. Viele Köche von Homburg bis Dillingen, vom Bliesgau bis Saarbrücken erzählen mir, dass sie Wild gerne im „Rosenhotel Scherer“ in Schiffweiler essen. Der Name des Hotels klingt eher nach Blumen als nach Wild und kräftiger, regionaler Küche.
Juniorchefin Franziska Scherer erzählt die Geschichte des Rosenhotels: „Vor etwa 20 Jahren hat der Landkreis Neunkirchen den Rosenkreis ins Leben gerufen. Damals entstanden dann auch Rosenkochkurse und Rosenabende verschiedener Rosenhotels, die es heute nicht mehr gibt. Wir hatten schon immer durch die Rosenzucht Brill hier in Schiffweiler Rosen als Blumen bei uns eingedeckt. So machten wir das Rosenhotel zu unserem Namen, weil es für uns zum Alleinstellungsmerkmal wurde.“ Die Rosen gehören zum Haus wie das Wild zum Wald. Das Rosenhotel ist das einzige Rosenhotel im Saarland. Die Zimmer tragen Namen verschiedener Rosensorten, viele davon wachsen rund um das Hotel. Auch kulinarisch wird das Thema aufgegriffen – vom Rosenaperitif bis zum Rosensorbet und zu besonderen Rosenmenüs.
Dabei ist das „Rosenhotel Scherer“ keineswegs auf Wild reduziert. Das Haus versteht sich als Restaurant mit regionaler und saisonaler Küche. Auf der Karte stehen ebenso Fisch, Fleisch, hausgemachte Spezialitäten und saisonale Gerichte. Das Restaurant bietet rund 50 Plätze, dazu kommen weitere Räumlichkeiten für Feiern und Veranstaltungen. Im Sommer lädt eine Terrasse zum Essen unter freiem Himmel ein. Küchenchef und Schwiegersohn Jonas Schmidt fasst die Küchenphilosophie zusammen: „Wir kochen lokal, frisch und einfach. Wir versuchen alles bei lokalen Bauern zu kaufen. Wir kochen viel mit Wild, schmoren auch gerne Fleisch.“
Verbindung Zukunft und Tradition
Ich mag solche Häuser, die eine eigene Geschichte haben und daraus keine künstliche Erlebniswelt machen. Bei Scherer gehört die Rose zum Haus, das Wild zur Küche und die persönliche Gastfreundschaft zum täglichen Leben.
Ein gutes Restaurant lebt von Menschen, die mit Herzblut bei der Sache sind. Im „Rosenhotel Scherer“ in Schiffweiler lässt sich das besonders schön beobachten. Hier vollzog sich ein Generationswechsel, der Tradition und Zukunft miteinander verbindet. Franziska Scherer, die Juniorchefin, übernimmt zunehmend Verantwortung. An ihrer Seite steht ihr Ehemann Jonas Schmidt, der mittlerweile als Küchenchef für die kulinarische Handschrift des Hauses verantwortlich ist. Und natürlich bleibt Martin Scherer, Seniorchef und erfahrene Persönlichkeit des Familienbetriebs, weiterhin ein wichtiger Teil der Geschichte.
Martin Scherer ist ein Koch alter Schule – und das meine ich ausdrücklich als Kompliment. Er hat sein Handwerk von der Pike auf gelernt, war an der Hotelfachschule in Bad Reichenhall, arbeitete am „Frankfurter Hof“ und wurde 1983 als Auszubildender sogar Deutscher Meister der Köche. 1988 folgte die Meisterprüfung. Seit Jahrzehnten steht er für eine Küche, die nicht jedem kulinarischen Trend hinterherläuft, sondern weiß, wo ihre Stärken liegen.
Und eine dieser großen Stärken des Hauses ist das Wild. Reh und Wildschwein aus der Region gehören zu den Schwerpunkten der Küche. Das ist mehr als ein saisonales Alibi auf einer Speisekarte. Martin Scherer ist selbst passionierter Jäger und bringt deshalb eine besondere Beziehung zu diesem Produkt mit. Er weiß, dass gutes Wild nicht durch möglichst viele Zutaten besser wird. Im Gegenteil: Das Fleisch muss im Mittelpunkt stehen.
Und wie kam er zum Wild? Der Seniorchef erzählt: „Wir kamen dazu, da wir immer schon Kontakt zu den einheimischen Jägern hatten, die hier im Umkreis auf die Jagd gehen. Wir kaufen gerne bei ihnen, vor allem ganze Tiere. Und seit acht Jahren gehen wir jetzt auch selber auf die Jagd.“ So wurden aus drei Liebhabern drei besondere Fachleute.
Gerade beim Wild zeigt sich nämlich, ob ein Koch sein Handwerk beherrscht. Reh kann wunderbar zart und fein sein – oder trocken und überwürzt. Wildschwein kann kräftig und aromatisch schmecken – oder schwer und erschlagen von einer dunklen Soße. Im „Rosenhotel Scherer“ erlebt man dagegen eine Küche, die den Charakter des Fleisches respektiert. Auf der Speisekarte finden sich beispielsweise geschmortes Reh und Wildschwein aus der Region, aber auch Gerichte wie Wildschweinrücken mit Sauerkirschsoße. Eine hausgemachte Rehpastete mit Cumberland-Soße gehört ebenfalls zum kulinarischen Repertoire des Hauses.
Das ist für mich die richtige Art, mit Wild umzugehen: nicht verkleiden, sondern herausarbeiten. Denn Wild ist eines der schönsten Produkte, die unsere Region zu bieten hat. Es erzählt von Wald und Wiesen, von Jahreszeiten und von einer Landschaft, die man schmecken kann. Dazu braucht es keine exotischen Zutaten und schon gar keine kulinarische Show. Ein gutes Stück Reh, eine kräftige Soße, vielleicht Pilze, Rotkohl oder ein Kartoffelkloß – und schon ist man mitten in einer Küche, die für mich zum Saarland gehört.
Auch die Weinkarte überzeugt
Dass die Wildgerichte des Rosenhotels auch bei anderen Köchen hoch geschätzt werden, überrascht mich deshalb nicht. In der Gastronomie spricht sich Qualität herum – gerade bei Produkten wie Wild. Köche wissen sehr genau, ob ein Stück Fleisch gut behandelt wurde, ob die Soße selbst gekocht ist und ob jemand sein Handwerk versteht. Das Wild aus Schiffweiler genießt in Kollegenkreisen einen Ruf, den man sich nicht mit Werbung erkochen kann.
Ob Wildconsommé, hausgemachte Rehpastete am Salatbouquet oder Geschmortes vom Wildschwein, Rotkohl und Spätzle, es war ein ganz besonderer Genuss hier. Es hat mir sehr gut geschmeckt im „Rosenhotel Scherer“ und ich kann es jedem nur empfehlen!
Auch die regionale Weinkarte im „Rosenhotel Scherer“ überzeugte mich sehr. Denn auf Regionalität legen sie hier großen Wert. So haben sie etwa im Ausschank, also glasweise, vom saarländischen Vorzeigeweingut Petgen-Dahm einen halbtrockenen Auxerrois, einen trockenen Riesling, einen trockenen grauen Burgunder oder einen halbtrockenen weißen Burgunder. Aber auch flaschenweise überzeugten sie mich mit einem weißen Burgunder von Schmitt-Weber, einem halbtrockenen Goldkind Auxerrois vom Weingut Markus Boesen, einem trockenen Chardonnay vom Kalkstein vom Weingut Uli Metzger, einer Cuvée von weißem und grauen Burgunder von Van Volxem, einem trockenen Kreuznacher Bio-Paradies-Riesling vom Weingut Korrell, einem Tête à Tête, trockener Chardonnay und Weißburgunder von Schmitt-Weber und einem trockenen Viognier von Petgen-Dahm. Letzterer überzeugte mich besonders! Auch hier will ich die ausgesuchte besondere Regionalität hervorheben! Mit ihrer Weinkarte haben sie sich viel Mühe gemacht und darauf findet man Kreszenzen, die man nicht überall im Saarland findet. Ein ganz besonderes Lob!
Fünf Jahrzehnte verfolge ich die regionale Küche und finde heute noch ganz besondere Adressen, wie das „Rosenhotel Scherer“. Ich muss da auf jeden Fall bald nochmals hin.

