Zapata

Verifiziert von Rolf Klöckner
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Mainzer Straße 8, 66111 Saarbrücken, Deutschland

Urlaub im Hinterhof

Seit Anfang Juli hat das „Zapata“ in der Saarbrücker Mainzer Straße unter neuer Leitung wieder geöffnet. Oliver Häfele und sein Team zaubern tolle Tapas und schenken ihren Gästen im herrlichen Hinterhof für einige Stunden das Gefühl, am Mittelmeer zu sein.

Manchmal träumt man davon, sich für ein paar Stunden in den Urlaub zu beamen, um Entspannung und Ruhe zu finden. Jeder hat dazu in seiner Erinnerung auch unvergessliche kulinarische Erlebnisse. Ich verbinde damit das nordspanische San Sebastián. 1986 lernte ich dort in einer kleinen Altstadtstraße, wo sich eine Tapas-Bar an die nächste reihte, die spanische Küche schätzen und genießen. Es war wie im Paradies. Hier duftet die Küche nach Koriander, Zimt, Sternanis, Kardamon, Chili, unterstützt von Kräutern wie Oregano, Thymian, Lavendel, Estragon, Zitronengras oder Minze. An heißen Tagen freut man sich auf eine andalusische Gazpacho, eine kalte, würzige Gemüsesuppe mit exotischer Würze, oder auch eine Ajoblanco, eine Knoblauchsuppe mit Mandeln und Weintrauben. Es gibt auch ausgewählte Käsesorten, Fleischbällchen mit pikanter, gut gewürzter Tomatensauce oder Tortilla nach Art des Hauses. Seit dieser Zeit bin ich ein Tapas-Fan.

Doch um diese zu genießen, muss man nicht extra nach Spanien reisen. Kürzlich war ich in der Mainzer Straße in Saarbrücken unterwegs, bog am Filmhaus in einen Hinterhof und dachte, ich bin im Urlaub! Seit dem 1. Juli hat das „Zapata“ unter neuer Leitung wieder geöffnet. Das Restaurant bietet Tapas, spanische Lebenskultur und europäische Weine in lebendiger, entspannter Atmosphäre. Über der Theke hängen Kasserollen, an manchen Stellen sieht man das Mauerwerk, auf der Theke stehen Kräuter. Alles sehr einladend.

Der eigentliche Blickfang aber ist der große Hof mit jeder Menge Platz. Zwischen Bäumen und einer langen Mauer aus alten Steinen mit Blumenampeln stehen Holztische – mal rund, mal eckig. Dazwischen stehen große Kübel mit Kräutern und auch einige Sommerliegen. Man fühlt sich wie in Südeuropa.

Keine klassische Einteilung in Gänge

Der neue Betreiber des „Zapatas“ heißt Oliver Häfele. Kein Unbekannter, viele kennen ihn von der Event-Location „The Loft“ in der Quellenstraße am Saarbrücker Eschberg. Er betreibt ebenfalls das „Frederik“ im Luisenviertel und „den Lesepavillon“ im Deutsch-französischen Garten, wo er auch Tretboote vermietet. Überall, wo er wirkt, sieht man seine Handschrift, denn im ersten Beruf ist er für Dekorationen zuständig. Und seine Einrichtungen sind unverwechselbar. Was hat er nun hier mit seinem Geschäftspartner Christoph Lange vor? Häfele erzählt: „Wir bekamen im Winter das ‚Zapata‘. Der Vermieter hat uns sehr unterstützt, ließ uns frei nach unseren Vorstellungen umbauen und gestalten. Also machten wir eine Kernsanierung. Küche, Toiletten – alles ist neu.“ Die Küche wurde vergrößert und als offene Küche gestaltet. Man kann also zuschauen, wie die Gerichte zubereitet werden. Der kalte Bereich ist jetzt vorne, der warme Teil hinten. Häfele: „Auch die Karte haben wir angepasst, verkleinert. Lieber klein, dafür aber alles frisch und von hoher Qualität. Außerdem werden wir sie häufiger wechseln.“ Ich schaue mir die Karte an. Hier gibt es Tapas in allen Variationen. Dabei hält sich Häfele nicht strikt an die spanischen Interpretationen einer Mittelmeerküche. Bei ihm gibt es auch Gerichte aus Italien und andern Mittelmeerländern.

Das Ambiente spielte in seinen Planungen ebenfalls eine wichtige Rolle. Es sei das A und O, damit Gäste und Mitarbeiter sich wohlfühlen, betont der Betreiber. „Die Leute sollen abschalten können und sich wie im Urlaub fühlen.“ Sie sollen sich hier treffen, sich unterhalten und dabei bei einem guten Glas etwas essen. Wobei niemand gezwungen wird, etwas zu essen. Man kann auch gerne auf ein Bier, ein Glas Wein oder einen Longdrink vorbeischauen.

Die Karte beginnt mit Bruschetta, bunten Tomaten mit Rucola. Oliven natürlich, in unterschiedlichen Farben und Größen. Oder einer Käseauswahl. Auch viele Kleinigkeiten werden angeboten:, zum Beispiel Ciabatta-Sticks mit Aioli und pikantem Salsa-Dip oder Serrano-Schinken. Tolle Qualität. In der Sommerhitze eine Wohltat: Gazpacho. Und endlich mal eine, die auch nicht unterwürzt ist. Bunter Tomatensalat, eine Antipasti-Variation oder Mittelmeergemüse gratiniert mit karamellisiertem Ziegenfrischkäse ergänzen die Vielfalt. Auch gerne genommen an diesem heißen Abend: Artischocken mit Vinaigrette. Für den etwas größeren Hunger werden spanische Hackbällchen mit Tomatensugo und frittiertem Salbei angeboten. Aus dem Meer gibt es Garnelen und gegrillten Pulpo mit Kartoffeln und Chili. Ein Renner sind auch die Rippchen mit Chili und Honig oder – ganz traditionell – Tortilla nach Art des Hauses.

Küchenchef lernte bei Alexander Kunz

Die Atmosphäre ist entspannt-locker, alle Altersklassen sind vertreten – von jung bis alt. Jeder am Tisch bestellt zwei, drei Gerichte. Diese werden in die Mitte gestellt, und jeder probiert, was ihm gefällt. „Ich bin selbst ein Mensch, der Vorspeisen liebt“, betont Häfele. „Wenn ich essen gehe, esse ich lieber zehn Vorspeisen als einen Hauptgang. Ich will verschiedene Sachen probieren, kalt und warm. Es gibt bei uns auch keine Reihenfolge. Alles, was fertig ist, wird an den Tisch gebracht. Klassische Vorspeisen und Hauptgänge gibt es bei uns nicht. Es geht ums Zusammensein und darum, ein paar schöne Stunden zu verbringen. Und es geht ums Teilen, das ist hier aber auch kein Problem.“ In allen Läden von Oliver Häfele gestaltet Denis Reinhard von der „Winefactory“ die Weinkarte. Dies ist zweifelsfrei eine gute Entscheidung. Denn die „Winefactory“ mit ihren Weinen und Spirituosen steht für höchste Qualität. Auf der Karte finden sich europäische Tropfen. Das beginnt mit einem Saarriesling aus dem Hause Forstmeister Geltz-Zilliken, einem Weißburgunder vom Weingut Steinmühle in der Pfalz und einem Sauvignon blanc vom Weingut Winnig in der Pfalz. Aus Frankreich gibt es die Rebsorte Viognier von der Domaine le Colombier an der Rhône. Natürlich auch einen Weißen aus Spanien: aus Galizien den Louro Godello von der Bodegas Rafael Palacios. Bei den Roten dominiert Spanien, aber auch aus Chile gibt es einen Tropfen.

Küchenchef im „Zapata“ ist übrigens Jegor Rizaev. Er lernte sein Handwerk bei Sternekoch Alexander Kunz. Was mir immer wieder auffällt, wenn Köche in großen Häusern lernen: Sie können nicht nur gut kochen, sie können auch wunderschön anrichten. Saarbrücken ist um ein tolles Haus reicher. Gehen sie mal hin!

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