Ostern in Paris

Ein kultureller Ausflug nach Paris lohnt sich immer, ein kulinarischer ebenso. Vielleicht ja über Ostern? Zumal der Zug in zwei Stunden von Saarbrücken aus dort ist. Unser Gastro-Experte gibt Tipps zu seinen liebsten Anlaufstellen in der französischen Metropole.

An den Obst- und Gemüseständen finden sich wunderbare Erdbeeren – Foto: Rolf Klöckner

All diejenigen, die mit mir schon einmal in Paris waren, wissen: Rund um die Metrostation „Les Halles“ fühle ich mich besonders wohl. Hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten zum Einkehren und es gibt auch einen ganz besonderen Markt in der Rue Montorgueil. Besonders donnerstags und sonntags gibt es in der Gegend – vor allem in den angrenzenden Straßen wie etwa der Rue Montmartre – jede Menge Marktstände und Markt-Atmosphäre. Meist kaufe ich hier noch ein, um dann zu Hause in Saarbrücken etwas Leckeres daraus zu kochen. Im Grunde ist die Straße eigentlich eine dauerhafte Marktstraße mit vielen Bäckereien, Käse- und Fischläden, Obst- und Gemüseständen sowie Delikatessenläden.

Traditionelle „bourgeoise“ Küche

Auch dieses Mal war ich mit Freunden hier und wir kauften noch Fleisch in der Metzgerei „Tribolet“, weil wir später zusammen kochen wollten. Während wir warteten, kam ich mit einem anderen Kunden ins Gespräch, der mir erzählte, er fahre regelmäßig nach Saarbrücken, um bei Klaus Erfort zu essen. Bevor er ging mit seinen vielen Tüten, sagte er noch: „Sie haben gut gewählt, dies ist hier die beste Metzgerei von Paris.“ Bevor ich einkaufen war, haben wir gegessen: im „Rocher de Cancale“. In diesem Haus kann man die Begeisterung der Pariser für Meeresfrüchte erleben. Das taten auch wir und tranken dazu einen ausgezeichneten Sancerre von Henri Bourgeois. Das Gründungsdatum des Hauses – um 1800 – spricht für jede Menge Erfahrung. Auch mir hat es hier ausgezeichnet gefallen und ich werde sicher auch in Zukunft hier mal wieder Meeresfrüchte essen, denn das „Rocher de Cancale“ bleibt mir dabei unvergessen.

Escargots in Kräuterbutter – Foto: Rolf Klöckner

Seit vielen Jahrzehnten bin ich auch regelmäßig Gast im „Benoit“. Das Bistro war schon immer besonders gut, doch seit es zum Imperium von Alain Ducasse gehört, ist es sogar noch besser. Das „Benoit“ liegt am Rande des Hallenviertels und wäre nach dem Einkauf auch fußläufig erreichbar gewesen. Ducasse sagte einmal darüber: „Mehr geht nicht als Bistro, dazu ist es das pariserischste Bistro, das ich kenne. Es hat eine lange Geschichte eines bestimmten Lebensgefühls.“ Es ist so gut, dass es sogar einen Stern hat. Seit 1912 lieben die Pariser ihr „Benoit“ und die Preise sind bis heute Bistro-Preise. So gibt es ein kleines Mittagsmenü bereits für 32 Euro.

Ich will ihnen aber nicht nur Empfehlungen rund um die Hallen geben. Eine weitere Pariser Institution ist das „Au petit Riche“ im 9. Arrondissement. An der Treppe hängt ein Foto von ­Catherine Deneuve, und in der ersten Etage gibt es kleine Räume, die auch gerne von Politikern frequentiert werden. Seit seiner Eröffnung 1854 verwöhnt das „Au petit Riche“ ganz Paris mit seiner gutbürgerlichen französischen Küche. Ursprünglich präsentierten sie hier die Küche der Loire, heute nehmen sie es aber nicht mehr so genau. So finde ich auf der Karte Foie gras mit Brot, Linsensalat mit Speck, geräucherten Lachs mit Zitronencreme, Terrine oder Pastete, etwa Wildschwein-Terrine, als Vorspeisen. Die Hauptgänge sind Filet de bœuf (Rinderfilet) mit Rotweinsauce, Blanquette de veau (Kalbsragout) in cremiger Soße, Confit de canard (Entenkeule) mit Kartoffeln. Ein „Muss“ sind Quenelle de brochet – Hechtklößchen mit Krustentiersoße – oder Steak Tartare mit Pommes.

Das Bistro „Au Vieux Paris“ liegt auf der Île de la Cité nahe Notre Dame – Foto: Rolf Klöckner

Ein etwas unbekannterer Laden ist „Joséphine Chez Dumonet“, das ich von einem Freund aus Paris empfohlen bekam. Das Angebot ist vom Feinsten, von Gänsestopfleber über Trüffelomelette bis hin zu einem sensationellen Lammrücken, und auch die Weinauswahl lässt keine Wünsche offen. „Joséphine Chez Dumonet“ ist eines der bekanntesten klassischen Pariser Bistros im Viertel Saint-Germain-des-Prés. Das Restaurant existiert seit dem späten 19. Jahrhundert und ist berühmt für traditionelle französische „bourgeoise“ Küche in einem Belle-Époque-Speisesaal mit Holzvertäfelung und Spitzengardinen. Die Portionen sind groß, und es gibt hier jede Menge Stammgäste.

Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Paris mehr als 400 sogenannte Bouillons, also Suppenküchen, die weder Wohlfahrts- noch Betriebskantine waren, sondern einfachen Leuten ein bescheidenes Mahl zu günstigen Preisen boten. Seit etwa zehn Jahren beobachte ich, dass es immer mehr Neueröffnungen gibt. Immer noch eine Institution ist „Bouillon Chartier“ – gut und preiswert, mit super freundlichem, entspanntem und fixem Service.

Kronleuchter und vergoldete Wände

Direkt an der herrlich renovierten Kirche Notre Dame liegt auch ein Bistro, das ich seit 40 Jahren kenne: „Au Vieux Paris“. Viele Leute gehen dort weniger wegen der „Haute Cuisine“, sondern wegen der extrem schönen Lage und Atmosphäre hin – besonders abends, wenn man nach einem Spaziergang bei Notre Dame essen möchte. Das Bistro „Au Vieux Paris“ ist eines der malerischsten und meistfotografierten Bistros in Paris. Es liegt auf der kleinen Insel Île de la Cité, nur wenige Schritte von Notre Dame entfernt. Es ist berühmt für seine rosa Fassade mit vielen Blumen sowie Weinpflanzen und bietet eine zuverlässige Bistrokarte an.

Doch jetzt zu etwas ganz anderem. Das beste Baguette 2026 in Paris kommt offiziell aus dem „Le Fournil Didot“ im 14. Arrondissement. Bäcker Sithamparappillai Jegatheepan aus Sri Lanka hat gerade den Hauptpreis beim 33. jährlichen Grand Prix de la Baguette de Tradition Française mit nach Hause genommen und bei seinem ersten Versuch 142 andere Teilnehmer geschlagen. Er kam vor 20 Jahren nach Frankreich und hat sich ins Baguette verliebt. Sollten Sie dieses Jahr eine Reise nach Paris planen, machen Sie sich auf den Weg in die Rue Didot, um das Brot zu probieren, das nun dem französischen Präsidenten im Elysée-Palast für die nächsten zwölf Monate serviert wird.

„Le Train bleu“ ist wohl die schönste Bahnhofskneipe der Welt – Foto: picture alliance / SZ Photo

Apropos Präsident: Wir waren auch in „La Rotonde“, einer berühmten historischen Brasserie im Viertel Montparnasse. So muss die Brasserie sein, die mir gefällt! Am Sonntagmittag isst hier die Bürgergesellschaft, um 13 Uhr ist kein Platz mehr frei. Eine freundliche Atmosphäre, eine besondere Wein- und Speisekarte, so war es früher auch bei „Moissonnier“. Wir konnten uns nicht wirklich entscheiden und bestellten unterschiedliche Vor- und Hauptspeisen, stellten diese in die Mitte und jeder konnte von allen Gerichten probieren. Wunderbar! Etwa Bio-Eier à la Parisienne, Burgunder-Schnecken, Paté en Croute, Goldbrasse, Baba au Rhum und Käse von Mère Richard. Dann erfuhr ich, dies sei die Lieblingsbrasserie von Präsident Emmanuel Macron. Er trifft sich dort gelegentlich mit politischen oder privaten Gästen. Gerne etwa mit Besuch aus dem Ausland. Kann ich verstehen.

Das „Tour d’Argent“ – Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Als ich vor ein paar Wochen mit Freunden in Paris war und sie mich fragten, wohin ich sie führen wollte, antworte ich mit einem Zitat von Wolfram Siebeck: „In die schönste Bahnhofskneipe der Welt!“ „Le Train bleu“ liegt in der ersten Etage des Gare de Lyon. Ich kenne kaum ein Restaurant, das so prunkvoll gestaltet ist: große Deckenmalereien, Belle-Époque-Architektur, riesige Kronleuchter und vergoldete Wände. Und schmecken tut es hier auch noch.

Weinbuch mit 300.000 Sorten

Wer gut essen möchte, etwa auf einer schönen Terrasse, kann auch in die „Rotisserie de la Tour d’Argent“. Gegründet wurde das Haus 1582. Seit Jahrzehnten gehen Feinschmecker in diesen legendären Tempel, weil sie eine spezielle Zubereitung der Ente goutieren wollen: Canard à la Presse, also gepresste Ente, eine Entenspezialität aus dem 19. Jahrhundert. Die Ente wird am Tisch in einer speziellen Presse verarbeitet. Jeder Gast bekommt eine nummerierte Karte mit der Nummer der Ente, die er gegessen hat. Ich habe die Nummer 1.204.968, und was soll ich sagen: Die Ente schmeckte unvergleichlich gut! Dazu haben sie hier ein Weinbuch, keine Weinkarte. Das Buch ist unglaublich dick und umfasst 300.000 Flaschen! Das Restaurant selbst liegt im 11. Stock, und der Blick auf Notre Dame von hier ist unbeschreiblich. Agathe war unsere Sommelière, sie überzeugte durch immenses Wissen, Geschmack, Kompetenz sowie Freundlichkeit und begleitete uns nach dem Essen in den sagenhaften Weinkeller des Hauses. Ich will sofort wieder da hin!

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