Der Regionalverband gewinnt seit gut neun Jahren im Erbprinzenpalais am Saarbrücker Schloss seinen eigenen Honig. Fünf Bienenvölker sorgen dafür, dass hier ein geschmacklich toller Honig entsteht, den es nur bei der Tourist Info am Schloss gibt.

Seit etwa 40 Jahren kaufe ich meinen Honig direkt bei Imkern und verzichte auf die meist schlechten Kopien aus den Discountern. Einen ordentlichen Honig habe ich also immer daheim. Vor kurzem probierte ich erstmals den „Schlosshonig“ und war begeistert. Meine Frau Esther, eine Afrikanerin, hatte mich darauf gebracht und sagte: „Das ist der beste Honig, den ich in Europa je gegessen habe.“ Das wollte ich genauer wissen und ging zur Tourist Information ans Saarbrücker Schloss. Denn nur dort gibt es diesen besonderen Honig zu kaufen. Ich traf Marc Mitzel, der dort einige Schätze saarländischer Genussproduzenten anbietet. Er sagte: „Aktuell können wir unsere Frühjahrsernte anbieten und seit Kurzem auch die Sommertracht.“ Es ist also noch genügend da. Die Tourist Info im Saarbrücker Schloss ist von montags bis sonntags von 9 bis 17 Uhr geöffnet.
Vor Ort erfuhr ich, dass der Regionalverband seine Bienen hinter dem Erbprinzenpalais hält. Also machte ich mich auf zur Regionalverbandsdirektorin Carolin Lehberger. Sie erklärte mir: „Wir haben Bienenstöcke im Garten unseres Erbprinzenpalais, die reichlich Honig liefern. Diese Parkanlage, die dort angelegt wurde, ist nicht nur optisch eine Augenweide, weil sie verschiedene Belaubungen und Färbungen hat, sondern sie ist auch eine gute Nahrungsquelle für unsere Bienen.“ Das wollte ich mir natürlich selbst einmal anschauen. Denn wer den süßesten Schatz des Saarbrücker Schlosses sucht, muss nicht weit gehen. Hinter dem Erbprinzenpalais, mitten im Garten, stehen die Bienenstöcke.

Dort traf ich Dr. Susanne Meuser, sie ist Biologin an der Universität des Saarlandes und seit Jahren die Hüterin der Schlossbienen. Sie hat die Völker aufgebaut, betreut sie bis heute und weiß deshalb ziemlich genau, was in den kleinen Gläsern steckt, die jetzt bei der Tourist Information im Schloss angeboten werden. „Schlosshonig“ heißt das gute Stück. Und der Name ist keineswegs nur Marketing. Dieser Honig entsteht tatsächlich hier, rund ums Saarbrücker Schloss. Die Bienen fliegen aus, suchen sich ihre Blüten und bringen ihre süße Fracht zurück in die Stöcke. Was am Ende im Glas landet, ist damit auch ein kleines kulinarisches Porträt der Schlossumgebung.
Bienen fliegen bis zu zwei Kilometer weit
Die Geschichte begann im Mai 2017. Damals zog auf Initiative des Regionalverbands Saarbrücken das erste Bienenvolk in die Gartenanlage hinter dem Erbprinzenpalais ein. Aus diesem ersten Volk ist inzwischen eine kleine Schloss-Imkerei geworden. Heute leben dort fünf erwachsene Bienenvölker. Dazu kommt ein junges Volk, das noch Lehrjahre vor sich hat. Erst im kommenden Jahr wird es seinen ersten erntereifen Honig liefern. Frau Dr. Meuser erzählte mir, dass die Bienen bis zu zwei Kilometer fliegen, auch gerne zum Staden an die Saar.

Bienen wollen betreut werden, die Völker müssen beobachtet werden, und die Ernte hängt nicht zuletzt vom Wetter und von der Blüte ab. Einen Honig kann man eben nicht einfach bestellen. Man muss nehmen, was die Natur einem in diesem Jahr schenkt. Und die Natur hatte in diesem Frühjahr rund um das Schloss einiges zu bieten. Die Robinienblüte, die sonst einen wichtigen Beitrag leisten kann, fiel dieses Jahr aus. Dafür blühten Ahorn, Obstbäume, Rosskastanie und Weißdorn in der Umgebung besonders gut. Die Bienen fanden also genügend Alternativen – und sorgten damit für eine interessante Mischung im Honig. Dr. Meuser beschreibt die neue Frühtracht als mild und honigtypisch, aber etwas kräftiger als ein üblicher Frühjahrshonig. Dazu kommt eine feine Malznote, die nicht nur am Gaumen, sondern bereits im Duft auffällt. Ein Honig also, der nicht laut daherkommt. Einer für das Frühstücksbrötchen, den Naturjoghurt oder das Müsli – aber durchaus auch zum bewussten Probieren. Ein kleiner Löffel genügt, um festzustellen, dass Honig eben nicht gleich Honig ist.

Und dann ist da noch die Farbe. Wer beim Frühjahrshonig ein fast durchsichtiges Hellgelb erwartet, wird überrascht sein. Der neue Schlosshonig zeigt sich in einem schönen, warmen Bernsteinton. Auch das ist eine Folge dessen, was rund um das Schloss gerade geblüht hat. Beim Honig ist es eben wie beim Wein: Die Herkunft spielt eine Rolle. Allerdings mit einem ganz entscheidenden Unterschied. Der Winzer entscheidet, welche Rebsorte er pflanzt. Die Biene entscheidet selbst, welche Blüte sie anfliegt. Das macht den „Schlosshonig“ jedes Jahr ein bisschen anders.

Auch seine spätere Konsistenz bleibt zunächst spannend. Wie stark der Honig noch kristallisieren wird, steht derzeit nicht fest. Dr. Meuser erwartet jedoch eine weich-cremige Endkonsistenz. Das wäre genau jene angenehme Beschaffenheit, bei der der Honig nicht vom Brot davonläuft, aber auch nicht mit Gewalt aus dem Glas geholt werden muss.
Ich mag solche kleinen regionalen Produkte. Nicht, weil sie besonders groß daherkommen, sondern weil sie eine Geschichte erzählen. Ein Glas „Schlosshonig“ erzählt von einem Garten hinter dem Erbprinzenpalais und der näheren Umgebung. Von Bienen, die über Saarbrücken fliegen. Von Blüten, die jedes Jahr anders wachsen. Von einem Projekt, das inzwischen seit neun Jahren besteht. Und von Menschen wie Dr. Susanne Meuser, die dafür sorgen, dass aus dem Summen am Ende tatsächlich etwas zum Genießen wird. Denn was im Glas landet, erzählt immer auch etwas über seine Umgebung.
Besonders schön finde ich an diesem Projekt, dass der „Schlosshonig“ kein Produkt von irgendwoher ist. Er trägt den Namen Saarbrücken nicht nur auf dem Etikett. Seine Geschichte beginnt tatsächlich hier – hinter dem Schloss, bei den Bienen, den Blüten und den Menschen, die sich um sie kümmern.
Sommerernte mit viel Edelkastanie
Ab sofort können Touristen sowie Einheimische auch die neue Sommer-ernte des Schlosshonigs erwerben. Ich habe mir welchen mit nach Hause genommen. Auch die Sommerernte hat eine dunkle Bernsteinfarbe. Der Schlosshonig hat einen sommertypisch malzigen Geschmack mit leicht zitronigem Abgang. Er trägt einen honigtypischen fruchtig-blumigen Duft und wird voraussichtlich lange flüssig bleiben, was auf einen hohen Fructoseanteil schließen lässt. Die Schlossbienen haben über den Sommer viel Nektar eingetragen. Laut der Imkerin Dr. Meuser überwiegt der Anteil an Edelkastanien-Nektar den der Linden, es wurden aber auch viele Quellen im Stadtzentrum angeflogen. Ich bin jedenfalls von diesem Honig begeistert und werde diese Woche nochmals nachkaufen.

